Die Kelten

 
Spuren der Vergangenheit

Es ist auch in Deutschland und Österreich möglich, sich einen Überblick über die keltischen Hinterlassenschaften zu verschaffen. Die Archäologie hat einige bedeutende Spuren freigelegt - hier die mir bekannten Orte:
 

 

Der Magdalenenberg (bei Villingen)
Auf dem Magdalenenberg befindet sich ein bedeutender Grabhügel, dessen Entstehung  man dank des erhaltenen Holzes auf das 551 v. Chr.  datieren konnte. Es handelt sich dabei um ein zentrales, klassisches Hügelgrab unter anderen mit einer 6x8 Meter grossen zentralen Grabkammer und weiteren 126 Gräbern. Diese wurden ringförmig um die Grabkammer angeordnet, leider konnten bisher nur drei dieser Gräber datiert werden (536 bzw. 525 v. Chr.), sie werden Mitgliedern zugeordnet. 
Es handelt sich um eines der grössten Hügelgräber in Mittel- bzw. Westeuropa, die Grösse der Anlage betragen etwa 102 Meter im Durchmesser und 8 Meter in der Höhe und wird einem "Fürsten" zugeschrieben. Die ersten Ausgrabungen fanden 1890 statt.

Der Inhalt ist leider nicht vollständig, da schon früh Plünderungen stattgefunden haben (etwa 504 v. Chr. und 367 v. Chr.), so wurden noch Bestandteile eines Karrens und bronzene Gegenstände gefunden. Dennoch liefern der Aufbau, die Datierung des Holzes und das Existieren der weiteren Gräber wichtige Informationen [Kleiner Exkurs: Neben dem zu erwartenden Gold fand man im Grab des Tut-Ench-Amun etwas unscheinbareres, aber genauso wertvolles: ein Amulett aus Eisen - künstlerisch wie auch vom Materialwert wohl eher belanglos, dafür aber einer, wenn nicht der älteste Gegenstand aus Eisen, den man kennt].

Der aufwändige und Jahre dauernde Bau bestätigt einige Hypothesen über die keltischen Gesellschaft und beschreiben einen "Fürsten", der sich nicht durch Unterdrückung definiert, sondern wie in irischen Texten berichtet gleichfalls den Seinen verpflichtet ist und seine Achtung durch "Väterlichkeit" erringt. Die Hypothesen gehen nämlich nicht davon aus, dass diese Arbeit unter Zwang geschahen (darüber gibt es keine Berichte), und auch die Nutzung des Hügels als Begräbnisstätte für weitere Angehörige der Gruppe spricht für eine "gesellschaftliche" Bedeutung des Fürsten und seines Grabes.
In einem Nebengrab fand sich ein weiteres Zeugnis über die damalige Gesellschaft - eine Gürtelschnalle, dessen Herkunft aufgrund der Machart auf der Iberischen Halbinsel angesiedelt wird. Ein Beleg für eine existierende Handelsbeziehung, der sich auch mit anderen Funden deckt. 

Die Heuneburg (Befestigung/Grabanlagen/ Museum, bei Sigmaringen)
Die Heuneburg, eine befestigte Ansiedlung, wurde auf einer Anhöhe an der Donau errichtet und liegt an einem Handelsweg, der von Norditalien aus über die Schweiz nach Süddeutschland verlief wie auch an einer Verbindung nach Südfrankreich in das Rhonetal. Sie ist nicht die einzige befestigte Siedlung, die man kennt, aber archäologisch mit die wertvollste und stammt aus dem 6. Jahrhundert vor Christi..

Bei den Untersuchungen fanden Forscher eine durch Bollwerk bzw. später Mauern geschützte Siedlung und Grabstellen. Der Ort war einer der Knotenpunkte im europäischen Fernhandel und Handelsplatz für lokale Waren, so dass sich ein gewisser Wohlstand einstellen musste. Die hier lebenden Fürsten schützten sich daher zunächst mit primitiveren Bollwerk aus Holz, Erde und Steinen. 
Später wurde dieses Bollwerk jedoch ersetzt - auf einem festen, aus zugehauenen Steinen bestehenden Untergrund stand eine Mauer aus Lehmziegeln. Des weiteren sind die Seiten durch viereckige Bastionen gekennzeichnet. Insgesamt eine ungewöhnliche Entdeckung, weil zu dieser Zeit nur aus der griechischen Befestigungstechnik bekannten Bauart. Die Heuneburg wurde daher sehr wahrscheinlich mit Hilfe eines Spezialisten aus dem Mittelmeerraum errichtet (man spricht daher oft auch von "mediterranen Einflüssen").

Unter den Funden sind charakteristische Tonwaren aus Norditalien und dem Rhonetal - Handelsgüter. Dazu beweist eine gefundene Gussform, dass es aber auch hier angesiedeltes Handwerk gab. Die Heuneburg ist damit nicht alleine - die Handelswege zwischen Norditalien, der Schweiz, dem Rhonetal mit Marseille und der Donauregion sind durch viele Funde bestätigt worden.

Hallstatt
Wenn man bedeutende Orte der Bronzezeit erwähnt, fällt schnell auch der Name dieses Ortes. Dies verdankt Hallstatt reichen Salzvorkommen, die unterirdisch abgebaut wurden und in den europäischen Handel gelangten. Die Siedlung gehört zu den frühen Gründungen und liefert daher viele Informationen gerade über die Anfangszeit der europäischen Bronzezeit. Zudem wurde sie über lange Zeit konstant bewohnt. 

Die durch das Salz konservierten Funde erlauben nicht nur eine Erforschung der Lebensverhältnisse wohlhabender Gesellschaftsschichten - lederne Kiepen, Werkzeuge und Kleidung aus dem Arbeitsalltag lassen auch die Arbeitsbedingungen sichtbar werden.

Literatur: Ingeborg Clarus "Die Keltischen Mythen", Venceslas Kruta "Die Kelten"