Der Wein im Mittelalter

 
Die Ursprünge

Ursprünglich kommt die Technik des Weinanbaus aus dem Mittelmeerraum, wo der Wein schon in der Antike hohes Ansehen genoss. Man kennt aus den griechischen Darstellungen einiges über deren Gewohnheiten, der Handel mit Wein genoss grosses Ansehen und reichte bis nach England (wo man den Wein doch tatsächlich unverdünnt trank). 

Grabfunde in Deutschland zeugen von der grossen Bedeutung und vom Handel mit Wein - ein berühmtes Fundstück ist ein Kessel, in dem der Wein gewürzt wurde. In vielen versunkenen Schiffen fanden sich Amphoren mit Wein (und Öl). Der Handel mit Wein verbreitete so (neben dem Handel mit Salz, Metallen, Bernstein und Fellen) kulturelle Errungenschaften nach ganz Europa.
 

Weinanbaugebiete

Im Mittelalter breitete sich die Technik der Weinherstellung auch bis in die nördlichsten Regionen des französischen Gebietes aus. Wichtige Anbauflächen waren Lille, Caen, Beauvais und Rennes. Diese Städte waren fast ausschließlich von Weinstöcken umgeben. Wenn das Wetter eine reiche Ernte zuließ, stand der Wein auf allen Tafeln. Von Bauern bis zum Adeligen tranken alle Stände Wein in großen Mengen. Pro Person wurden am Tag ca. 1-2 Liter getrunken.

In Italien wurde noch mehr und noch regelmäßiger Wein genossen, da die Ernte nicht so sehr von den meteorologischen Bedingungen abhing. Auch im Mittelalter gab es gute und schlechte Weine. Die armen Leute in der Stadt fanden am Markt billige Weine, die aber von minderer Qualität waren. Dieser wurde auch als "Nachwein" (piquette) bezeichnet. Er wurde durch nochmaliges Auspressen der Traubenreste gekeltert. Die erste Pressung ergab den "Muttertropfen", der für die Tafel des Reichen und des Adeligen bestimmt war. Oftmals war der billige Wein nur mit Wasser verdünnter Essig, der vor allem den toskanischen Bauern als Weinersatz diente.

Aber auch in Deutschland gab es Weinanbaugebiete - durch eine zwischenzeitliche Warmzeit wurde es wärmer und die Reben gediehen. Bayern exportierte sogar Wein, bis Klimaverschlechterungen im 13. und 14. Jahrhundert den Anbau nicht mehr zuliessen.
 

Der Handel

Hauptsächlich wurden französische Weine auf den Märkten des Nordens verkauft. Es setzten sich Weine aus Bordeaux und Burgund an den aristokratischen und bürgerlichen Tafeln Nordeuropas durch, da diese sehr jung zu trinken waren und wenig Alkohol enthielten. Die Italiener importierten kaum französischen Wein. Sie gaben sich anscheinend mit lokalen Sorten zufrieden, da diese etwas voller im Geschmack waren. Allerdings hegten sie, wie ihre nördlichen Nachbarn, ebenfalls eine gewisse Zuneigung zu den griechischen Likörweinen. 

Aber das ganze christliche Abendland importierte Süßweine aus Kreta, Tyros und Zypern. Die zyprischen Weine erfreuten sich in Frankreich großer Beliebtheit. Sie waren aber nur den reichen Ständen vorbehalten, da sie sehr teuer waren. Zum Essen wurde der Hippokras bevorzugt, ein Wein, der mit Zucker und Honig gesüßt und stark gewürzt wurde.

Gleichfalls ein angesehenes Handelsprodukt waren natürlich die entsprechenden Gefässe - man findet sie in den Gräbern wohlhabender Menschen. Ob Kessel zum Vermischen mit Gewürzen, Gläser und Trinkbecher oder reich verzierte Trinkhörner - sowohl der Wein als auch das passende Geschirr galten in der Bronze- und Eisenzeit als Statussymbol. Selbst in Quellen aus dem 19. Jahrhundert wird beschrieben, wie man aus billigen Honig Honigwein herstellt, der vom Geschmack einem guten Traubenwein entspricht.
 

Wein im Alltag

Die Wahl des Weines wurde hauptsächlich von der sozialen Zugehörigkeit, vom Alter und der körperlichen Verfassung abhängig gemacht. In den höheren Ständen wurden Weißweine bevorzugt, da diese raffinierten Weine mehr den Geist "reinigten". Die fruchtigen Rotweine kamen mehr der Händearbeit zugute. Das liegt wohl daran, dass sie die Billigeren waren. Auch in der Medizin galt der Wein als Heilmittel, das vor allem bei älteren Menschen die Melancholie vertreibt.

In der Tradition des Hippokrates wird der Wein als nahrhaft angesehen, über den Aldebrandin von Siena sagte. "Wer solchen Wein in Maßen trinkt, nach den Forderungen und Möglichkeiten seines Naturells Lind nach den Sitten, Ländern und Jahreszeiten, dem verleiht er gutes Blut und gute Farbe und guten Geschmack, er verstärkt auch alle Tugenden des Leibes und macht den Menschen glücklich, gutmütig und wohlredend."
 

Quelle: Internet, eigene Ergänzungen